stmartin

Mamaaa, ich würd so gern ein St. Martin sein! Wie werde ich das?“
„Wie kommst du denn darauf Peter? Hat dir die Geschichte vom St. Martin so gut gefallen?“ fragte die Mutter.
„Ja! Ich fand sie toll! Deshalb will ich ja auch ein St. Martin werden!“ und schaute sie erwartungsvoll an.
Seine Mutter kannte diesen Blick. Wenn er sie so ansah, gab es kein kneifen, sie musste ihm eine befriedigende Antwort geben.
„Na komm, dann setz dich mal her, denn so ganz einfach ist das nicht ein St. Martin zu werden.
Du weißt ja aus der Geschichte, dass er seinen Mantel mit dem Schwert in zwei Hälften geteilt hat, und eine Hälfte davon dem armen Bettler gegeben hat?“
Peter nickte heftig.
„Aber damals als der das tat, war es bitter, bitter kalt. Also kein Zuckerschlecken, seinen warmen Mantel zu teilen.
Heute ist es auch sehr kalt, wollen wir mal ausprobieren wie es sich anfühlt, einen Mantel bei der Kälte herzugeben?“ und die Mutter schaute ihn herausfordernd an.
„Oh jaaa, komm!“ und Peter hopste vom Stuhl und rannte in den Flur.
Beide zogen sich winterfest an, und verließen das Haus.
Draußen pfiff ein eisiger Wind, und Peter zog seine Mütze tiefer ins Gesicht und über beide Ohren.
„Oh Mama, heute ist es aber echt kalt!“ und stopfte seine Hände tief in seine Jackentasche hinein.
„Ja“ sagte die Mutter „kein angenehmes Wetter!“
Nach zehn Minuten fragte Peter: „Wann spielen wir denn jetzt St. Martin?“
„Peter, wir spielen nicht, wir machen es genauso wie damals in der bitterkalten Nacht. Siehst du da vorne den Baumstumpf? Das ist für heute unser armer Bettler. Findest du nicht auch, dass er in einem erbärmlichen Zustand ist? Seine Kleidung hat überall Löcher, und sein ganzer Körper zittert wie Espenlaub.“
„Oh ja Mama, der arme Bettler!“ sagte Peter traurig.
Als sie den Baumstumpf erreicht hatten, beugte sich seine Mutter zu dem Baumstumpf herrunter, und fasste ihn an der Rinde an: „Ach Gott du armer Kerl, du bist ja halb erfroren!“ drehte sich zu ihrem Sohn um, und forderte ihn auf seine Jacke auszuziehen.
Mit großen Augen schaute er sie an: !Ja, aber dann hab ich ja nix mehr zum Warmhalten, dann frier ich doch!! Das geht doch nicht!“
Seine Mutter schaute ihn liebevoll an und sprach sanft: „Siehst du, so einfach ist es gar nicht ein St. Martin zu sein. Ein St. Martin zu sein heißt, seine Bedürfnisse hintenan zu stellen und Mitleid zu haben.“
„Aber ich habe doch Mitleid!“ antwortete Peter leise und fing an zu weinen. „Ich will aber doch auch nicht frieren!“ schluchzte er kleinlaut hinterher.
„Peter, du musst ja auch nicht frieren! Du darfst deine Jacke ruhig anbehalten. Ich wollte dir nur zeigen: Mitleid zu haben ist eine Sache, aber aus Mitleid zu teilen und von dem was man hat die Hälfte an einen Bedürftigen abzugeben, eine ganz andere Sache“ und strich ihm übers Haar.
„Wir können aber eins machen“ sagte seine Mutter im verschwörerischen Ton „du hast so viele Spielsachen mit denen du nicht mehr spielst. Sie an arme Kinder weiterzugeben ist auch eine riesengroße St.Martins-Tat.
Peters Augen leuchteten auf! „Oh ja komm!“ und er zog seine Mutter an der Hand, „ich geh gleich in mein Kinderzimmer und teile meine Spielsachen wie St. Martin.“
Zufrieden lächelnd ging die Mutter mit ihrem Sohn nach Hause.

Ohne dieses „St.Martin-Experiment“ hätte sie es nie geschafft, dass ihr kleiner Sohn sich von unnützen Spielsachen trennt.
Am Abend zeigte ihr Peter stolz eine große Kiste mit Spielsachen die er gerne abgeben wollte.
Überschwenglich lobend brachte sie ihren Sohn zu Bett, der sofort mit einen zufriedenen Lächeln in das Land der Träume versank.

 

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