Halloween2

„Komm, lass uns zu einer Halloweenparty gehen!“ forderte Thorsten, während seine Freundin sich im Bad die Haare fönte.
„Ne, lass mal! Ich find das zu albern!“ gab Sabrina mit einem schiefen Grinsen zurück.
„Ist doch wie Fasching!“ gab Thorsten zu bedenken „ich schminke dich auch so gruselig, dass dich niemand erkennt.“ und lachte sie in freudiger Erwartung an. „Du weißt doch das ich schon immer mal auf so eine Party wollte!“
Sabrina schaute ihn nachdenklich an. „Was findest du nur so schön daran, dich so hässlich zu verunstalten? Das ist doch abartig!“ und schüttelte sich angewidert bei dem Gedanken.
„Ach komm Schatz! Nur dieses eine Mal! Ich will’s halt mal erlebt haben.“ bettelte Thorsten, und setzte gekonnt seinen Hunde-Bitte-Bitte-Blick auf.
„Ich versteh dich nicht! Was kann man daran schön finden? Aber du kannst gerne alleine gehen. Mich kannst du dafür nicht begeistern.“ und damit schien für sie das Thema abgehakt.
„Alleine macht’s aber nicht so viel Spaß! Mit dir wäre es viel lustiger!“ und wieder dieser Hunde-Bitte-Bitte-Blick.
„Du möchtest dich nur an meiner Schreckhaftigkeit weiden! Wie fies ist das denn?“ und schob ihn rigoros aus dem Bad.
„Spielverderber! Dann geh ich eben alleine!“ und der trotzige Unterton ließ sie lächeln.
„Ja, tu das! Kannst mir ja dann erzählen wie’s war.“ und verschwand im Schlafzimmer.
Sie hörte nach einer Weile die Wohnungstür ins Schloss fallen.
Nun ist er gegangen, ohne sich zu verabschieden, – Männer!! dachte sie leicht frustriert, aber trotzdem froh, dieser Party entkommen zu sein.
Die Stunden vergingen, und sie dachte ab und zu was er wohl machte, und in welcher Lokation er letztendlich gelandet ist, als es plötzlich an der Tür klingelte.
Verwundert schaute sie auf die Uhr: 0:30h.
Er hat wohl seinen Schlüssel vergessen, und öffnete die Tür.
Vor ihr standen zwei Polizisten, die einen ziemlich blutig lädierten und angetrunkenen Thorsten stützten.
Die Polizisten konnten ihren Schreck in ihren Augen ablesen.
„Halb so schlimm! Ihr Freund scheint in eine Schlägerei geraten zu sein. Auf alle Fälle wurden wir gerufen, weil er hilflos und blutend auf der Straße lag. Aber außer einer Platzwunde konnte der Notarzt nichts finden.
Da scheint er noch mal Glück im Unglück gehabt zu haben.
Wenn er Anzeige erstatten will, soll er morgen aufs Revier kommen.“
Damit übergaben sie ihr das Häufchen Elend und verabschiedeten sich.
Sie nahm ihren blutverschmierten Freund in Empfang, und führte ihn vorsichtig ins Bad.
„Tolles Halloween scheinst du gehabt zu haben!“ zeterte sie während sie vorsichtig das Blut aus seinem Gesicht wischte.
„Und wo hast du denn das Kostüm her? Das ist ja furchtbar!“ und half ihm aus dem merkwürdigen Umhang.
Thorsten sagte kein Wort, sondern steuerte zielstrebig sein Bett an, und war binnen kürzester Zeit eingeschlafen.
Am nächsten Morgen sah man das ganze Ausmaß seiner Halloween-Nacht.
Das rechte Auge war angeschwollen, die Lippe aufgeplatzt, eine Platzwunde am Kopf, und das linke Auge zeigte eine blau-grüne Umrandung.
„Jetzt siehst du echt aus wie ein Zombie!“ und Sabrina bog sich vor Lachen.
Spontan holte sie ihr Handy und schoss wider seinen Willen ein Erinnerungsfoto.

Thorsten hatte nie über die Vorkommnisse dieser Halloween-Nacht gesprochen, ist aber auch nie wieder zu einer Halloweenparty gegangen.

 

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