Seifenblasen

Als sie damals ihrer kleinen Tochter zum ersten Mal Seifenblasen zeigte, konnte die Lütte kaum reden.
Aber die Kleine stand da, mit großen Augen und offenen Mund.
Ihr Gesichtchen drückte großes Staunen aus, das sofort in ein strahlendes Kinderlachen wechselte.
Sie tapste wackelig auf die Seifenblasen zu und rief immerfort: „Da, da, da!“
Als die ersten Seifenblasen zerplatzten, verzog sich ihr Gesicht theatralisch, und die Mundwinkel zuckten verdächtig.
Schnell pustete ihr die Mutter eine neue Salve von Seifenblasen in die Luft, und die Kleine zappelte freudig auf der Stelle.
Eine kleine Kinderseele im Glück!
Ganz konzentriert betrachtete sie sich die kleine Flasche, die so schöne schillernde Blasen zaubern konnte.
Zu gerne hätte sie der Mutter dieses bunte Etwas weggenommen, aber die Mutter stellte es in der Küche in den Schrank.
Nach einem tränenreichen Intermezzo , tröstete ein Keks und die Seifenblasen war fürs Erste vergessen.
Aus dem Bad hörte die Mutter am nächsten Morgen in der Küche ein lautes: „Da, da, da!“
Sie ging nachschauen und sah ihre Windelhopserin vor dem Küchenschrank stehen, und ihr kleines Ärmchen zeigte aufgeregt nach oben.
Also holte sie die Seifenblasendose heraus und pustete eine Menge an Seifenblasen in die Luft.
Die Kleine quietschte vor Vergnügen und plumpste vor lauter Aufregung auf ihren Windelpo.
Jeden Morgen wiederholte sich dieses kleine Ritual.
Seifenblasen, Keks, und eine kleine Kinderseele im Glück.
Jahre später, ihre Tochter war mittlerweile 5 Jahre alt, fanden sie ihren Hamster Fridolin tot im Käfig.
Die Kleine konnte einfach nicht begreifen das: „Der Fridolin ist leider gestorben!“ heißt, er kommt nie mehr wieder.
Die Tränen wollten einfach nicht versiegen!
„Komm“ sagte die Mutter „wir machen ihm eine schöne Beerdigung, damit er sich in den Himmel schlafen kann.“
Sie holte sich ihre Blumenschaufel, legte den toten Fridolin in eine Pappschachtel und wollte gerade in den Garten gehen, als ihre Tochter in ihr Kinderzimmer flitzte und aus ihrem Puppenhaus eine winzige Decke holte.
„Er soll nicht frieren!“ war ihr knappes Argument.
Also deckten sie den kleinen Fridolin mit der winzigen Decke zu, und schlossen die Pappschachtel.
„Warte einen Moment!“ sagte die Mutter und eilte in die Küche. Dort holte sie eilig die Seifenblasendose aus dem Schrank, und ging mit ihrer Tochter feierlich in den Garten.
Als sie die kleine Schachtel in das Erdloch legten, gab ihr die Mutter die Seifenblasendose und sagte nur: „Mach ihm die Freude!“
Voll Stolz und mit ernstem Gesicht pustete sie Seifenblasensalve um Seifenblasensalve in die Luft, bis die Mutter das kleine Erdloch zugeschaufelt hatte, und ein kleines Primelchen darauf gepflanzt hatte.
Sie standen beide still da, und eine kleine Kinderseele war traurig, und doch auch glücklich ihrem Fridolin eine Seifenblasenreise in den Himmel beschert zu haben.
In der Küche gab es dann einen Keks, der still und andächtig verzehrt wurde.

 

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