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Sie waren Bruder und Schwester, und doch war meine Trauer so unterschiedlich:

LEB WOHL

Nun sitz ich auf der Wackelbank,
und denk an viele Bastelstunden.
Ich spüre Trauer und auch Dank,
empfind Dein Gehn wie tausend Wunden.
Ich blick aufs Meer das ruhig und glatt,
bald wird der Mond zum Vorschein kommen.
Du warst zum Schluss des Lebens satt,
Zeit ist für Dich unnütz zerronnen.
Noch wehr ich mich daran zu glauben,
dass Du verbrannt in Asche liegst,
wollt weiter mit Dir löten, schrauben,
staunen wie Du Materialien biegst.
Die Lebensuhr sie tickt und tickt,
bis sie zum letzten Schlag ausholt.
Der übrig bliebt, wird schier verrückt,
weil er sich nur ganz schwer erholt.
Leb wohl mein Freund, bleib mir gewogen,
wo Du jetzt bist, ich kann’s vermuten,
Du bist ins Jenseits umgezogen,
und sitzt bei vielen andren Guten.

Copyright seelenkarusell

 

 

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Vor Tagen starb die Schwester und man fragte mich mitfühlend: „Und wie geht’s Dir?“
Und es platzte aus mir heraus: „Meine Trauer hält sich in Grenzen!“
Erschrocken hielt ich inne.
Was hatte ich da gerade gesagt? Meine Trauer hält sich in Grenzen?

Das war nicht ich gewesen oder? Ich bin doch ein mitfühlender Mensch!
Genau! Ich bin ein (mit)-fühlender Mensch!
Aber man hatte mich ja nach meinem persönlichen Gefühlszustand befragt.
Und der ist genau so, wie es aus mir herausplatzte: Betroffen, aber nicht in tiefer Trauer!
Trotzdem saß ich nach dem Telefonat noch lange nachdenklich auf der Couch, und dachte über meinen sehr harten Satz nach.
Doch immer wieder musste ich mir sagen: Ja! Es ist aber so!
Ich kann keine Trauer empfinden!
Es waren der Verletzungen, der Seitenhiebe und der seelischen Ausbeutungen zu viele gewesen!
Statt Trauer empfand ich eher eine Erleichterung,  – so als wäre ich von einer schweren Last befreit. Und irgendwie tat mir dieses Gefühl unfassbar gut!
Sollte ich mich dafür schämen?
Weiß Gott nicht!
Schließlich kommt es immer darauf an, wie ein Mensch gelebt hat.
Wie er z.B. sein soziales Umfeld behandelt, und sich darin eingebracht hat.
Der Spruch: Man redet nicht schlecht über den Toten! gilt für mich daher nur sehr bedingt.
Wenn ein Mensch stirbt, schwemmen tausend Erinnerungen und Begebenheiten hoch.
Bei einem liebevollen Verstorbenen sind die Erinnerungen mit Tränen der Trauer gefüllt.
Bei Verstorbenen die rücksichtslos gelebt haben, sind die Erinnerungen, wie zu Lebzeiten, mit Frust und nachhaltiger Empörung gefüllt.

Daher möchte ich jedem der mit einem Tod konfrontiert wird, der mehr Befreiung als Trauer beinhaltet sagen:
Manchmal kann man nicht trauern, weil es der Verletzungen zu viele waren, aber man kann dem Verstorbenen einen Platz in der allumfassenden Liebe wünschen, die ihm das zeigt und spüren lässt, was er im Leben nicht umsetzen konnte:

LIEBE !

Und genau das wünsche ich ihr!