tauben1

Es wurde Zeit!
Hans nahm seine Tüte mit den alten Brotresten und machte sich auf den Weg in den Park.
Jeden Freitag ging er nun dort hin, um seine alten Brotreste an die Tauben zu verfüttern.
Er liebte diese Stunden im Park!
Was blieb denn auch sonst noch?
Seit seine Frau gestorben war, war auch das Leben aus seiner Wohnung gewichen.
Und es hatte sehr lange gedauert, bis er endlich wieder einen Fuß vor die Tür wagte.
Damals lief er ziellos durch die Straßen, und landete letztendlich im Park.
Als seine Beine müde wurden, setzte er sich auf eine Bank.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er seine Umgebung wahrnahm.
Ein Eichhörnchen flitzte gekonnt auf den gegenüberliegenden Baum, und eine Biene flog
summend an ihm vorbei, um die nächste Blüte anzusteuern.
Wie friedlich war es doch hier!
Er ließ seinen Blick schweifen und sah, wie sich eine ältere Dame auf die Bank schräg gegenüber setzte.
Sie öffnete raschelnd eine Papiertüte, und wie auf Kommando kam eine große Schar Tauben, und auch Spatzen angeflogen.
Die Tauben ließen sich gurrend zu ihren Füßen nieder, und pickten begierig ihre hingeworfenen Brotkrumen auf.
Wie widerlich! schoss es ihm durch den Kopf. Tauben sind Ratten der Lüfte!
Und doch, dieses Bild hatte etwas rührendes, wohltuendes.
Als hätte die alte Dame seine Gedanken lesen können blickte sie auf und sagte: „Wenn Tauben die Ratten der Lüfte sind, sind wir die Ratten der Erde!“ und nahm ihre Fütterung wieder auf.
Irgendwie ertappt und doch beeindruckt stand er wortlos auf, und ging gedankenverloren nach Hause.

Seit diesem Tag kam er jeden Freitag in den Park, um „seine“ Tauben zu füttern, und er fühlte sich glücklich und gebraucht.
Danke liebe Taubenfrau dachte er für sich, denn er hatte sie seit diesem Tag nie wieder gesehen.

 

Copyright seelenkarussell