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Es war der letzte Urlaub  bevor ich meine Zelte in Frankfurt abbrach, um den Rest meiner Zeit im hohen Norden zu verleben.
Ich gab unserer Clique, die sich im Laufe der Urlaubsjahre gebildet hatte Weisung, eine Wunschliste zu schreiben.
Alle sollten ihre Wünsche die sie für sich, für uns, für Familie, Freunde und für die Welt hatten, auf einen Zettel schreiben, und ihn dann zu einem Papierschiffchen falten.
Wenn ich käme, würde ich ihnen erzählen was wir mit ihnen machen.
Gleich am nächsten Tag meiner Ankunft holten alle ihre Schiffchen au den Taschen, und schauten mich erwartungsvoll an.
„So“ sagte ich, „wir fahren jetzt alle zur Wackelbank, warten auf den Sonnenuntergang und lassen unsere „Wünsch-dir-was-Schiffchen zu Wasser.
Jeder bittet für sich um Erfüllung, und lässt danach all seine Wünsche los. Dann überlassen wir sie dem Wind, den Wellen und dem Meer!“
Gesagt, getan!
Wir fuhren zur Wackelbank und freuten uns schon auf den Moment, wo die Papierschiffchen dem offenen Meer entgegen schaukeln würden.
Dort angekommen, gab es lange Gesichter, denn keiner von uns hatte sich um die Gezeiten gekümmert. Wir waren alle nur auf unsere Papierschiffchen fokussiert gewesen.
Vor uns lag breit und flach – nur Watt!
Die Enttäuschung stand jedem von uns ins Gesicht geschrieben.
„Dann suchen wir eben das Wasser!“ sagte jemand aus der Clique trotzig.
Also alle Mann wieder zu den Autos, und ab ging es nach Husum.
Aber auch dort, wo wir hinschauten – nur Watt!
Unsere Vorfreude entlud sich in Frustration!
„Ach kommt, lasst uns nach Schobüll zum Steg fahren, vielleicht ist dort noch ein bisschen Wasser!“
Also wieder in die Autos und nach Schobüll zum Steg.
Natürlich war auch dort nur Watt!
Aaaaber, direkt an der untersten Stufe des Stegs war noch eine kleine Pfütze.
Und als hätten wir das Meer gefunden, brach regelrechter Jubel aus.
Nacheinander setzten wir unsere Wünsch-dir-was-Papierschiffen auf die Minimeerespfütze und hofften inständig, die nächste Flut würde sie alle aufs Meer hinaustragen.
Ein Skeptiker der Clique fragte auf einmal: „Und wenn die jemand vor der Flut findet, rausholt und liest? Was dann?“
Betretenes Schweigen und fragende Blicke zu mir.
„Was soll dann sein??“ war meine Gegenfrage.
„Wenn sich jemand aus Neugier die Mühe macht die Schiffchen herauszuholen und zu lesen…“ ich machte eine Pause, „dann lernt er was fürs Leben! Was liest er denn schon? Nur lauter Wünsche in Liebe geschrieben!“
„Das Schönste daran wäre, derjenige würde die Idee aufnehmen, und sie mit seinen Kindern oder Freunden ebenfalls umsetzen! Mit hoffentlich mehr Wasser als wir!“ setzte ich noch lachend hinterher.
Ein stilles Nicken und verschmitztes Lachen, und wir machten uns wieder auf den Heimweg.
Als wir am nächsten Tag zum Steg fuhren, waren alle unsere Papierschiffen weg, und jeder hoffte für sich, dass es fröhlich auf dem offenen Meer einem unbekannten Ziel entgegen schipperte.

Tage später stellten wir fast zeitgleich fest, wir hätten nur nach Dagebüll fahren brauchen – dort ist immer Wasser!
Aber was ist Dagebüll gegen unsere kleine Meerespfütze?

Eine Meerespfütze in groß halt!  -grins-

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