Kloster

Sie wusste nicht warum sie Klöster so magisch anzogen.
Es war halt so!
Und sie hatte schon lange aufgegeben nach dem Grund zu suchen.
Sie interessierte sich weder für die Geschichte der Klöster, noch fand sie übermäßigen Gefallen an den Klostergärten.
Das Leben der Frauen hinter den dicken Mauern faszinierte sie, ja!
Aber ein Leben in Abgeschiedenheit, Stille, Gebet und Arbeit! –
Könnte sie ein solches Leben führen?
Sie setzte sich auf eine Bank, schaute auf eine Skulptur, die entweder Maria, oder eine verstorbene Äbtissin darstellen sollte, und hing diesem Gedanken nach.
„Könnte ich tatsächlich so leben?“ und die spontane innere Antwort war: „Warum nicht?!“
Verblüfft hielt sie inne.
Wieso sage ich: Warum nicht?!
Dieses eintönige Leben?!
Und dann bin ich in keinster Weise tief gläubig.
Und nur schlafen, beten und arbeiten?!
Wie komme ich darauf mir das vorstellen zu können?
Suchend nach irgendeiner Antwort vielleicht, scannte sie das Kloster mit ihren Blicken ab.
„Neeein! Ich könnte doch nicht hier leben?!“ dachte sie immer noch fassungslos, als sie ein leises herzliches: „Gelobt sei Jesus Christus“ neben sich hörte.
„In Ewigkeit! Amen“ antwortet sie wie von selbst, und blickte in die freundlichen Augen einer Nonne mittleren Alters.
„Ein schöner Tag heute, nicht wahr?“ sagte die Nonne, und setzte sich neben sie auf die Bank.
Ohne eine Antwort abzuwarten sprach sie: „Sie kommen gerne hier her! Ich habe sie schon öfters durch den Garten spazieren sehen. Wohnen Sie hier in der Nähe?“
„Nicht unbedingt! Ich muss eine halbe Stunde fahren.“ antwortete sie, und fühlte sich auf seltsame Weise ertappt.
„Ja“ sagte die Nonne, „manchmal muss man ein bisschen suchen, bis man seinen Ort der Stille gefunden hat! Aber ich möchte Sie nicht in ihrer Meditation stören!“ und stand wieder mit einem: „Gelobt sei Jesus Christus“ auf, und entfernte sich langsamen Schrittes.
-Ort der Stille!- Ich habe nie gezielt danach gesucht, dachte sie.
Und -Meditation-!
Noch niemals hatte sie Meditation betrieben, geschweige denn ein Interesse dafür entwickelt.
„Nonnengeschwätz!“ durchfuhr es sie, und bereute es sofort wieder.
Schließlich war die Nonne sehr nett, und in keinster Weise aufdringlich gewesen.
Als sie sich auf den Weg zum Ausgang des Klostergartens machte, konnte sie nur an die Worte: Ort der Stille, und: Meditation denken.
Irgendwie hatten diese Worte etwas in ihr ausgelöst!
Es fühlte sich wie eine Art Sehnsucht an.
Wie etwas, was fehlt!
Im Vorbeigehen sah sie am Kirchenportal das weiße Plakat, das am Wochenende zu Meditationsstunden einlud.
„Ist ja lustig!“ dachte sie, und musste lächeln.
Vielleicht sollte ich es tatsächlich mal ausprobieren!
Einmal ausprobieren schadet ja nichts!
Sie schrieb sich die Telefon-Nr.
 für die Anmeldung ab, und ging irgendwie beschwingt, und voll freudiger Erwartung auf das Wochenende zu ihrem Auto zurück.

„Ja“ dachte sie auf der Heimfahrt, „manchmal bedarf es nur zwei markante Sätze, um neue Wege  zu beschreiten!“

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