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Es war schon weit nach Mittag und er stapfte immer noch planlos durch den Wald.
Die Wegweiser die er unterwegs sah, sagten ihm nichts, schließlich war es sein erster Urlaubstag, und er wollte ja nur eine kleine Runde laufen.
Von wegen kleine Runde!
Er stapfte jetzt geschlagene drei Stunden durch den Wald, und hatte keinerlei Orientierung!
Seine Laune war schon nahe am Nullpunkt, als er eine Weggabelung erreichte.
Was nun?
Rechts oder links?
Die Wegweiser waren ihm keine große Hilfe!
Beide zeigten ihm eine ähnlich große Kilometerzahl zu einem unbekannten Endziel an.
Er kickte wütend einen kleinen Stein durch die Gegend.
„Ich habe keine Lust mehr!!“ brüllte er in den menschenleeren Wald.
Ein paar Vögel flogen erschrocken aus dem Geäst, um sich zeternd in einem anderen Baum niederzulassen.
Er stand an der Weggabelung und schaute fassungslos genervt nach links und rechts.
Ich weiß nicht wo ich lang soll! dachte er weinerlich.
Mittlerweile war seine Wut einer kindlichen Hilflosigkeit gewichen.
Und plötzlich fing er an zu beten: Lieber Gott, schick mir doch jemand der sich hier auskennt, und mich wieder in die „Zivilisation“ zurückführt!
Völlig verzagt setzte er sich auf einen Baumstumpf und überlegte wann er das letzte Mal gebetet hatte.
Er wollte gerade einen Deal mit Gott aushandeln um seiner Bitte Nachdruck zu verleihen, als er plötzlich Hundegebell hörte.
Freudig sprang er vom Baumstumpf auf und rief lautstark: „Haaallooo!“
Ein brauner Jagdhund kam schwanzwedelnd auf ihn zugelaufen. Ihm folgte ein Mann, der aussah als sei er der Förster dieses Reviers.
Ein nie gekanntes Glücksgefühl durchströmte jede Faser seines Körpers.
Er erklärte dem Förster seine Misere, und dieser führte ihn lachend zu seinem Auto, und fuhr ihn sogar bis zu seinem Hotel.
Erleichtert auf dem Bett liegend war er sich sicher, es war sein Gebet das den Förster zu ihm geführt hatte.
Bevor ihn die Erschöpfung in einen wohltuenden Schlaf entführte nahm er sich vor, morgen in die Dorfkirche zu gehen, und eine Kerze des Dankes zu entzünden.

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