Morgen

Der Himmel leiht dem Meer seinen Schimmer,
mal in glutrot, dann hellstes blau,
ich mags, wenns abends silbrig flimmert,
und ich dazu Luftschlösser bau.
Wenn dann das Meer die Nacht begrüßt,
die schwarz sich übers Wasser legt,
hat’s zwar die Farben eingebüßt,
dafür nun schläfrig sich bewegt.
Doch oft beginnt des nachts das Toben,
wo’s Meer wirft meterweit die Gicht,
die Wellen schlagen Kapriolen,
und nehmen jedem Schiff die Sicht.
Urplötzlich ist der Spuk vorbei,
das Meer liegt wieder ruhig und glatt,
der Himmel zeigt sich wolkenfrei,
und Morgensonne küsst das Watt.
Der neue Tag beginnt zu leben,
in dem Bewusstsein der Gezeiten,
und oben in den Lüften segeln,
die Möwen, um um  Fisch zu streiten.
Ich steh zufrieden auf dem Deich,
genieß der Morgensonne Wärme,
der Horizont verschwimmt noch weich,
genau die Stimmung mag ich gerne.

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