Bürgersteig

Er lag schon wieder am Boden!
Knie und Hand aufgeschürft, und er schrie als ging es um sein Leben.
Es war diese Woche schon das 4. Mal!
Ob es an den Schuhen liegt, fragte sich die Mutter besorgt?
Andere Kinder fielen auch hin, aber sie hatte das Gefühl, die Erdanziehung hatte speziell einen Vertrag mit ihrem Sohn, oder mit der Apotheke, in der sie die vielen Kinderpflaster kaufen musste.
Sie fing an den kleinen Kerl zu beobachten als er durch die Straße lief.
Zu Anfang wurde erst der Fragenkatalog abgespult, der in der Regel immer die gleichen Fragen enthielt: „Wo gehen wir hin?“, „Ist da ein Spielplatz?“, „Kann ich dann auch rutschen gehen?“, „Was gibt es in dem Laden wo wir hingehen?“, „G
ibt es da auch Spielzeug?“ usw, usw.
Nachdem ihm keine Fragen mehr einfielen, fing er an an der Hand herumzuzappeln, bis er sich löste und alleine neben ihr herum hopste.
Er schaute überall hin, rechts, links, drehte sich um, schaute in den Himmel, und als hätte sie es geahnt – lag er schon wieder weinend auf dem Boden.
Das letzte Pflaster aus der Handtasche, und dreimal kräftig pusten linderten nach etlichen tröstenden Worten das kleine Kinderherz.
„Weißt du warum du immer hinfällst?“ fragte seine Mutter, nachdem das letzte Tränchen abgewischt war.
Der Kleine überlegte kurz und sagte dann ganz sachlich: „Weil auf der Strasse die kleinen Monster wohnen, die meine Füße festhalten!“ und wollte schon wieder anfangen zu weinen.
„Nein, nein, die Straße mag dich gerne! Nur deine Füße sind ganz furchtbar traurig!“
Bestürzt schaute er auf seine Füße und sagte verwundert: „Aber sie weinen doch gar nicht!“
„Füße können nicht weinen!“ Sie können nur stolpern wenn sie sich nicht beachtet fühlen. Du bist doch auch traurig wenn ich dich nicht beachte oder?“ antwortete seine Mutter und nahm ihn wieder an die Hand.
Nachdenklich ging der kleine Kerl mit seiner Mutter nach Hause.
Als sie kurz später am Kinderzimmer vorbei kam, sah sie ihren Sohn auf dem Bett sitzen, und seine beiden Füße streicheln. Dabei sagte er immer wieder: „Ihr müsst nicht traurig sein! Ich hab euch wirklich ganz doll lieb!“ und hielt ihnen seinen Lieblingsteddy entgegen: „Er auch!“  Damit hopste er fröhlich vom Bett und widmete sich seinen geliebten Legosteinen.

Lächelnd ging die Mutter in die Küche, und fing an seinen Grießbrei anzurühren.

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