krebs3

Plötzlich und unerwartet überfiel mich die Panik vor dem Tod.
Die ganzen Wochen hatte ich diese Nachricht angenommen als hätte mir der Arzt gesagt, ich wäre an einer fiesen Grippe erkrankt.
Auch die zwei OPs zuvor
steckte ich locker weg, schließlich waren sie mir vertraut wie alte Bekannte.
Warum jetzt auf einmal diese Panik?
War es die bevorstehende Ganzkörperchemo die mir Angst machte?
Vor dem, was sie mir gleich im Körper unwiderruflich zerstören wird?
Irgendwie konnte ich auf einmal keinen Abstand mehr zu dieser Krankheit halten, und spürte den Tod, – konnte ihn förmlich riechen.
Und genau in diesem Moment fing folgender Dialog mit mir selbst an:

„Ich werde sterben!“
„Wie kommst du denn darauf? Willst du sterben?“
„Nein!“
„Warum sagst du es dann?“
„Weil meine Mutter auch an Krebs gestorben ist!“
„Bist du deine Mutter?“
„Nein!“
„Was hat das dann mit deiner Mutter zu tun?“
„Weil mein Leben genauso wie das ihre verläuft. Und nun hab auch ich Krebs!“
„Du machst deine Mutter für Dein Leben verantwortlich?“
„Nein! Aber Parallelen machen mich nun mal nachdenklich!“
Liebst du deine Mutter?“
„Ich weiß nicht! Hab sie nie kennengelernt!“
Glaubst du das sie will das du stirbst?“
Nein!“
„Also! Dann zählt doch nur was DU willst.“
„Stimmt!“
„Und was willst du?“
„Leben natürlich!“
Dann tu’s doch!“
„Mach ich auch!“

Da war es wieder, dieses sich gegen alle Widrigkeiten stemmen.
Dieses: Hey, – aber nicht mit mir! Mich kriegt ihr nicht klein!
Die Tür öffnete sich leise, und die Schwester kam mit dieser berühmten Schlaf-ein-bisschen-Spritze, und streichelte beruhigend meinen Arm.
Als sie den Tropf öffnete und sich die heilbringende und doch so zerstörende Flüssigkeit ihren Weg durch meine Adern suchte, dämmerte ich schon leicht weg.
Ich stellte mir vor, wie die ganzen Krebszellen in heller Aufruhr sich Verstecke suchten, um diesem Angriff zu entfliehen.
Bestimmt grinste ich bei dieser Vorstellung. Aber mit Sicherheit kann ich es nicht sagen, denn irgendwann schlief ich ein und wurde erst geweckt, als der Tropf leer war, und dieses Klackern aus dem Kästchen am Tropf verstummt war.

Das alles ist nun schon über 30 Jahre her, aber dieser Dialog mit mir ist haften geblieben.
Vielleicht, weil er mir immer aufs Neue zeigt, wie sehr alles im Leben vom eigenen Willen und Wollen abhängt.
Denn, was ich zur erfolgreichen Bewältigung eines Problems beitragen kann, sollte ich tun, egal was sich mir in den Weg stellt, oder mich ausbremsen will!

Jedem, der vor einem großen Problem steht wünsche ich diese Einstellung und Power!