50 (Mittel)

-50- die wohl magischste und oftmals auch frustrierendste Zahl in einem Menschenleben.
Hans-Peter wusste nicht so recht ob er seinen 50sten magisch oder frustrierend sehen sollte.
Der Spiegel zeigte schon mal keine große Veränderung!
Die Falten die er sah, waren auch schon gestern da, und auch sonst fühlte sich alles wie immer an.
Beim Müslilöffeln schaute er auf seine Hände und fand, sie machten im Besonderen seine 50 Jahre sichtbar.
Oh Gott, ich habe alte Hände, dachte er völlig erschrocken.
Er betrachtete sie eingehend und zuppelte an der Haut, die sich zu winzigen Fältchen zusammenzog und zu allem Überdruß auch noch bereitwillig nachgab.
„Wann hast du dich das letzte Mal kritisch im Spiegel betrachtet?“ fragte er sich.
Eigentlich galt sein prüfend/kritischer Blick in sein Spiegelbild immer nur dem angezogenen Zustand. Saß die Krawatte ordentlich, passten die Socken zu den Schuhen, und war das Outfit fleckenlos. Aber sein Adamskostüm erfuhr in den letzten Jahren wenig Beachtung von ihm.
Es hatte sich aber auch nie jemand negativ geäußert.
Er ließ alles liegen und stehen und flitzte ins Schlafzimmer, entledigte sich seines Bademantels, und stellte sich mutig seinem Spiegelbild.
Sein Blick wanderte von oben nach unten.
Naja, dachte er, der Verfall ist nicht mehr aufzuhalten, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt!
Der Oberkörper ist nicht mehr so muskulös wie früher, und die Oberarme haben um die Hälfte an Masse verloren, dafür hält sich jedoch der Bauchansatz in vertretbaren Grenzen.
Er klopfte sich wohlwollend auf die Schulter, und zog seinen Bademantel wieder an.
Als er die Tür zum Schlafzimmer schloss, klingelte das Telefon und eine sanfte weibliche Stimme sagte: „Na du Mister Universum, alles Gute zu deinem 50sten.“
Yes!!! dachte er und machte automatisch die Beckerfaust!

Der 50ste Geburtstag war gerettet!

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